Warum die Vergrößerung beim Teleskop nicht so wichtig ist

Wenn man an ein Teleskop denkt, dann fällt einem auch zwangsläufig die Vergrößerung als wichtigste Eigenschaft ein. Doch ist das wirklich so? Schaut man sich die Werbung für verschiedene Teleskop an, dann werden da Werte aufgerufen, die einen schwindlig werden lassen. Und gerade Einsteiger im Hobby Astronomie lassen sich von diesen Werten leicht täuschen. Deshalb versuchen wir einfach mal etwas Licht ins Dunkel zum Thema Vergrößerung beim Teleskop zu bringen.

Welche Vergrößerung beim Teleskop ist sinnvoll und warum?

Vergrößerung beim Teleskop am Beispiel Bresser 70/900 EL Teleskop für Einsteiger

Die Vergrößerung beim Teleskop lässt sich ganz einfach errechnen. Dafür muss man auch nicht Physik studiert haben oder komplizierte Formeln bemühen. Die Vergrößerung ist einfach das Verhältnis von Objektivbrennweite zu Okularbrennweite. Um mal ein praktisches Beispiel zu geben:

Ich habe ein Bresser Teleskop mit 70 mm Objektivdurchmesser und 900 mm Brennweite. Setze ich nun ein Okular mit 20 mm Brennweite in den Okularauszug ergibt sich folgende Berechnung: Vergrößerung = 900 mm / 20 mm = 45 x. In dieser Konfiguration hätte mein Teleskop eine Vergrößerung von 45-fach. Wechsle ich das Okular aus und setze nun ein Okular mit 10 mm Brennweite ein, dann steigert sich die Vergrößerung auf 90-fach, weil 900 mm / 10 mm = 90 ist.

Ein Okular, das häufig zum Lieferumfang eines Teleskops gehört, ist das 4 mm Okular. Mit diesem Okular würde sich die Vergrößerung meines Bresser Telseskops auf 225-fach steigern. Schon nicht schlecht oder? Wenn ich dann noch eine 2-fach Barlowlinse einsetze, dann könnte ich mit 450-facher Vergrößerung den Blick in den Himmel wagen. Und würde nichts mehr erkennen.

Doch warum ist das so? Warum lässt sich die Vergrößerung beim Teleskop nicht beliebig steigern?

Normale Vergrößerung und förderliche Vergrößerung

Mond - detailreiche AbbildungLassen wir die sinnfreien Werbeversprechen mal weg und reden wir über realistische Werte für die Vergrößerung. Als Faustregel kann man als „Normalvergrößerung“ einfach den Objektivdurchmesser nehmen. Hier bei meinem Beispiel mit dem Bresser 70/900 sind das 70 mm, was also einer Vergrößerung von 70-fach entspricht.

Hat man ideale Bedingungen und die Luftunruhe ist sehr gering, kann man bis auf die förderliche Vergrößerung gehen. In meinem Beispiel wäre das 140-fach. Konkret kommt in diesem Beispiel in meinem Bresser-Teleskop ein 12,5 mm Okular zum Einsatz, was eine Vergrößerung von 72-fach ergibt. Mit einer Barlowlinse 2x ergibt sich dann die förderliche Vergrößerung von 144-fach. Oder aber ich nutze ein 6,5 mm Okular und erhalte so eine Vergrößerung von knapp 140-fach. Werte mit denen ich sehr gute Ergebnisse erzielen konnte/kann.

Natürlich kann man auch durch andere Okulare auch eine höhere Vergrößerung erreichen aber man sieht nicht mehr Details. Im Gegenteil, die Schärfe nimmt ab. Und das ist natürlich nicht schön. Außerdem nimmt auch das Sichtfeld deutlich ab, man bekommt nur einen kleineren Ausschnitt zu sehen.

Ein weiterer wichtiger Faktor: Je höher die Vergrößerung, desto dunkler wird auch das Bild. Gerade wenn man Sternenhaufen oder andere lichtschwache Objekte erkunden möchte, ist deshalb eine hohe Vergrößerung eher hinderlich.

Anhand dieser Informationen sollte es auch leichter fallen sinnvolle Okulare für nächtliche Beobachtungen des Sternenhimmels auszuwählen.

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