Körperpflege bei Schwerelosigkeit

Für uns Menschen auf der Erde ist es selbstverständlich, dass man ohne Weiteres Duschen, Zähneputzen oder einfach sein liebstes Körperöl auftragen kann. Im Weltraum unter der Bedingung der Schwerelosigkeit muss man da schon spezielle Methoden anwenden, um der Körperpflege nachzugehen.

Alle Gegebenheiten werden von der Schwerelosigkeit beeinflusst. Dieser Zustand ist für den menschlichen Körper nicht geschaffen, dieser muss sich erst einmal an die Bedingungen gewöhnen und anpassen. Verzichten Astronauten komplett auf eine Dusche? Und wie sieht es mit Rasieren und Co aus? Ist Zähneputzen im All möglich?

Was bedeutet Schwerelosigkeit?

Körperpflege bei Schwerelosigkeit
Unter Schwerelosigkeit versteht man den Zustand eines Körpers, der keine Kraftwirkung spürt. Tagtäglich spüren wir die Schwerkraft, da wir auf der Erde bleiben und nicht davonfliegen. Das Gravitationsgesetz von Newton besagt: Je weiter wir uns von der Erde entfernen, desto schwächer wird die Schwerkraft.

Durch Schwerelosigkeit wird der Orientierungssinn verwirrt, denn dieser fällt nach der Schwerkraft weg. Astronauten können sich im All nur noch zur Fortbewegung visuell orientieren. Folgen der Schwerelosigkeit sind das Herumschweben sämtlicher Dinge, angefangen bei den Astronauten bis hin zur Zahnpasta oder einem Wassertropfen. Der Umgang mit Schwerelosigkeit muss im All also richtig gelernt sein.

Ist Körperpflege bei Schwerelosigkeit möglich?

Verzichten Astronauten wirklich monatelang auf eine Dusche oder gibt es mittlerweile Möglichkeiten bei Schwerelosigkeit seiner täglichen Körperpflege nachzukommen?

Wie duschen Astronauten?

In den 70er Jahren gab es spezielle Duschsäcke, diese nutzten Astronauten, um sich mit einem Wasserstrahl zu reinigen. Allerdings traten immer wieder Wassertropfen aus, welche dann herumgeflogen sind und so die Elektronik gefährden konnten. Deshalb wurde das „Duschsack-System“ wieder verworfen. Heutzutage nutzen Astronauten schlichtweg feuchte Tücher, um ihrer täglichen Körperpflege bei Schwerelosigkeit nachgehen zu können.

Es wird aber immer wieder an neuen Methoden gefeilt, um die Körperpflege im All weiterentwickeln zu können. Beispielsweise gibt es ein Reinigungssystem, das aus einem Duschkopf besteht. Auf diesem ist ein Schwamm sowie ein Gebläse montiert. Das Wasser verreibt der Astronaut dann auf seiner Haut. Jeder Tropfen, der sich löst, wird sofort abgesaugt.

Mit Wasser muss sehr sparsam umgegangen werden, da es ein sehr begrenztes Gut ist. Es zählt zu den wertvollsten Mitteln an Bord und muss so oft wie möglich wieder verwendet werden. Um Wasser zu sparen, haben Astronauten ein spezielles Shampoo zur Haarwäsche. Dieses wird wie normales Shampoo angewendet, aber nicht ausgespült, sondern einfach mit einem Tuch abgewischt.

Die Haut der Astronauten benötigt eine besondere Pflege. Da die Haut im Weltraum viel schneller austrocknet, gibt es spezielle Lotionen. Trotz der intensiven Pflege verliert ein Astronaut pro Tag drei Gramm Haut – das ist doppelt so viel wie auf der Erde. Zum Abtrocknen gibt es Tücher, welche aber nicht gewaschen werden können. Diese kommen in den Müll und werden entsorgt. Muss es sehr schnell gehen, so nehmen Astronauten spezielle Handtücher, die schon leicht angefeuchtet sind. Dazu braucht man nur wenig Wasser und Seife.

Wo und wie geht der Astronaut auf die Toilette?

Der Toilettengang im All ist eine richtige Herausforderung. Verschiedene Systeme der Weltraumtoilette wurden seit Beginn der Raumfahrt entwickelt und benutzt. Dadurch, dass Astronauten viel trinken, müssen diese auch oftmals auf die Toilette. Das WC arbeitet wie ein Staubsauger. Der Urin wird eingezogen und recycelt, sodass Passagiere wieder Trinkwasser haben. Wie schon vorhin erwähnt, ist Wasser ein wichtiges aber begrenztes Gut im All.

Der Stuhl kommt in einem Weltraummülleimer. Diese werden circa alle zehn Tage entleert. Im Jahr 2016 veranstaltete die NASA einen Ideenwettbewerb, um das Problem der Raumfahrt zu lösen: die Erleichterung der hygienischen Standards. Man hoffte auf innovative Vorschläge, um das Leben im All für Astronauten zu erleichtern.

Körperpflege der Astronauten in der ISS

Rasieren, Zähneputzen und Co – was ist wie möglich?

Auf der ISS (Internationalen Space Station) ist die Zahnpflege sehr wichtig, denn durch die verringerte Speichelabsonderung besteht eine erhöhte Zahnbelastungsgefahr. Dazu gehören herumschwirrende Zahnbürsten und Kämme zum Alltag. Deshalb müssen diverse Hygieneartikel wieder in die dafür vorgesehenen fixierten Behältnisse gelegt werden.

Jede Crew wird mit einem Set für Körperpflege ausgestattet. Dieses beinhaltet beispielsweise Zahnbürsten, Rasiermesser, Kämme, Lotionen, Shampoo, Zahnpasta und einen Spiegel. Teils können Astronauten auch persönliche Pflegeprodukte mit in das All transportieren, um notwendige psychische Stabilität zu sichern.

Die Nassrasur ist bei Schwerelosigkeit gut geeignet, denn die Bartstoppeln bleiben im Schaum fixiert. Mit einem Tuch kann dann der Schaum abgewischt werden und schon hat man im Weltall eine Nassrasur gemeistert. Eine Elektrorasur ist ebenfalls möglich. Wichtig ist dabei, dass sich ein Absaugrohr in unmittelbarer Nähe befindet. Auch das Haare schneiden muss mit Spezialwerkzeugen erfolgen, sonst könnten Haare die Geräte schnell verstopfen.

Wie putzt man im Weltall richtig?

Auch das Putzen muss von Astronauten genauestens gelernt werden. Wird zum Beispiel eine giftige Flüssigkeit verschüttet, gibt es spezielle Vorgehensweisen. Astronauten müssen strenge Sicherheitsvorkehrungen beachten.

Fazit

Die alltäglichsten Dinge sind im Weltraum also zurecht eine große Herausforderung. Aber mit etwas Übung ist es für Astronauten kein Problem, sich an diese besonderen Gegebenheiten anzupassen.